Zehn Jahre im Dienste der Jugendarbeit
Vor gut zehn Jahren trafen sich Mitglieder der Arbeitsgruppe "Junge Kynologen" an mehreren Sitzungen, um möglichst viele Aspekte der "Jugendarbeit in der SKG" anzusprechen. Das noch zu benennende Projekt hatte die Gründung einer Sektion zum Ziel, welche anfangs 1993 erfolgen sollte. Was ist aus der Idee geworden? Welche Chancen und Hürden waren ihr beschert?
Vreni Trachsel
Ein Blick auf die Ausschreibungen in der Zeitschrift HUNDE unter dem Signet Jugend+Hund hält das Wichtigste fest: Das Engagement der Jugendförderer war nicht vergebens. Es gibt sie, die Angebote für den Nachwuchs, und sie nehmen langsam, aber stetig, zu. Regelmässige Trainings, Wanderungen, Mobility- oder Military-Teilnahmen, Postenläufe und Ferienlager stehen auf dem Programm. Spiel, Sport und Spass sind angesagt, sollen aber nicht darüber hinweg täuschen, dass Hundesport keine oberflächliche Sache ist. Jährlich messen sich die besten „Jugendhündeler“ an einer Schweizer Meisterschaft, die den Anforderungen an erwachsene Hundeführer entspricht. Daneben gibt es "Rule", eine Prüfung, die den Jugendlichen vorbehalten ist. Und es gibt die Möglichkeit, bei einem Hindernislauf, Canin Cross genannt, über sich hinaus zu wachsen.
Rassismus unter Hundesportlern
Das war nicht immer so: "Hundesport ist sowieso nichts für Minderjährige," hiess es vor noch nicht allzu langer Zeit. Mädchen und Mischlingshunde hatten sowieso nichts zu suchen auf dem Hundeplatz. Wer trotz fehlenden Altersjahren oder "falschem" Hund in einem kynologischen Verein geduldet war, hatte sich in eine Erwachsenengruppe einzufügen und dem militärischen Ton anzupassen.
Dann brachte das Jahr der Jugend, 1986, einiges ins Rollen: Der Schweizerische Schäferhunde-Club organisierte eine Jugendmeisterschaft, welche allen Jugendlichen zwischen zehn und zwanzig Jahren offen stand. Der zur Teilnahme mitgebrachte Hund konnte ausgeliehen und papierlos sein. Die Idee wurde beibehalten.
Im gleichen Jahr fanden die ersten Ferienlager für Jugendliche mit Hund statt. Die Nutzniesser waren vom Angebot begeistert und überzeugt. In einem Lager der Vereinigung Nordostschweizer SKG-Sektionen (NOV) nahm zufällig eine Gruppe von speziell innovativen Leuten teil, unter ihnen Barbara Thürig und Katja Schaufelberger. Schon war der Beschluss gefasst, einen Verein „Jugend und Hund“ zu gründen. Obwohl dies letztlich an der Minderjährigkeit aller Mitglieder scheiterte, trafen sie sich regelmässig zu gemeinsamen Aktivitäten.
Als Botschafter wirken
Auch in der SKG waren Bestrebungen im Gang, sich der Nachwuchsförderung anzunehmen. Eine Gruppe von Funktionären und Interessierten traf sich in den Jahren 1991 und 1992 mehrmals unter dem Namen "SKG-Projekt Junge Kynologen". Francois-Charles Otth hatte den Vorsitz. Auch Katja Schaufelberger und Barbara Thürig waren dabei: Sie stellten nicht nur ihre Erfahrungen und von ihnen verfasste Zeitungsartikel zur Verfügung, sondern auch den Namen ihrer Vereinigung „Jugend und Hund.“ An der gleichen Sitzung wurde beschlossen, zukünftig der Jugend Platz im offiziellen Organ, der Zeitschrift HUNDE, zur Verfügung zu stellen. "Als Folge des grossen Informationsbedarfes," wurde festgehalten.
Trotz der geplanten Sektionsgründung ging es mit dem Projekt nur zäh vorwärts. An der SKG-Basis aber bewegte sich Neues: Im Juli 1993 führte Stefan Schläpfer, Instruktor bei den Veterinärtruppen der Armee, ein erstes Jugend und Sportlager in Kombination mit Jugend und Hund durch. "Es war nicht ganz einfach, die zwei eigenständigen Organisationen unter einen Hut zu bringen," vernimmt man auf dem Lager-Video. "Das ging nicht am Schreibtisch. Dazu musste ich an Bürotüren klopfen." Während zwei Wochen wechselten sich Hundesport und Sport ohne Hund ab. Teilnehmerin Sandra Meier erinnert sich: "Agility gefiel mir besonders. Aber auch die Spiele und Wanderungen - einfach alles war lässig!" Am Ende des Lagers verabschiedete Stefan Schläpfer die Teilnehmer mit der Aufforderung: "Geht als Botschafter heim und zeigt den Leuten, dass gut erzogene Hunde keine Gefährdung mit sich bringen!"
Ein Jahr später übernahm Joseph Joller die Führung von "Jugend und Hund", auch er als überzeugter Botschafter der Nachwuchsförderung. Er stellte alle seine Kräfte in den Dienst der guten Sache. Nicht umsonst erhielt er an der SKG Delegiertenversammlung 2000 die Ehrenmitgliedschaft für diese Verdienste. Erst ein Jahr nach dem Führungswechsel wurde die "Kommission Jugend und Hund
SKG" gegründet, mit Joller als offiziellem Präsidenten.
Zum zehnjährigen Jubiläum lässt sich festhalten, dass immer mehr Junge in den Genuss von Jugend und Hund Aktivitäten kommen. Die Teilnahme von Jugendlichen an Prüfungen nimmt zu. Viele Sektionen unterstützen die Jugendarbeit, zu viele aber immer noch nicht. Die Hoffnung, bei Jugend und Sport Aufnahme zu finden, hat sich nicht erfüllt. Um es mit den Worten Joseph Jollers zu sagen: "Manches ist gelungen, längst nicht alles. Das Bild, welches aus Mosaiksteinchen gefertigt wurde, ist kein Kunstwerk, aber man kann es anschauen und daran weiter arbeiten."
Resultat einer Umfrage zum Thema Jugend und Hund:
Leiterinnen und Leiter der in HUNDE publizierten Regionalen J+H Gruppen:
Von total 39 Gruppen kamen 36 Antwortschreiben zurück. In den somit erfassten 36 Gruppen wurde rund 600 Jugendlichen ein Trainingsplatz angeboten.
Jährlich konnten junge Hundeführerinnen und Hundeführer an fünf verschiedenen J+H-Lagern teilnehmen.
Lokalsektionen und andere kynologische Vereinigungen:
83, also gut ein Drittel dieser Organisationen, beantworteten die Fragen bezüglich Jugendarbeit. In 14 davon wird eine Jugendgruppe angeleitet, die bei den J+H-Publikationen in HUNDE nicht aufgeführt war. 32 Vereine bieten aus verschiedenen Gründen den Jungen kein Training in eigenen Gruppen. 1 Sektion schreibt, es bestehe eine J+H-Möglichkeit, jedoch sei kein Interesse zur Teilnahme vorhanden.
Rasseklubs:
Geantwortet haben 32 und damit knapp ein Drittel der angeschriebenen Klubs. 22 von ihnen sind aus verschiedenen Gründen (räumliche Distanzen, kein Gelände, gesetzliche Bestimmungen bei gewissen Jagdhunden, physische und psychische Eigenheiten bestimmter Rassen) nicht in der Lage, Jugendförderung zu betreiben.
6 organisieren regelmässig Junior Handling-Trainings und/oder integrieren die Jugendlichen so weit als möglich bei andern Aktivitäten. 4 werden sich in nächster Zeit Gedanken machen über Möglichkeiten der Nachwuchsförderung.
Mit freundlicher Genehmigung von Zeitschrift Hunde und der Verfasserin Vreni Trachsel